Stimmen aus dem Kiez!

Wir möchten, dass Sie die Möglichkeit haben, zu sagen, was Ihnen in Bezug auf Ihren Kiez am Herzen liegt. Deswegen gibt es auf unserer Internetseite die Rubrik „Stimmen aus dem Quartier". In dieser Rubrik veröffentlichen wir Ihre Kommentare, Wünsche, Bedürfnisse oder Meinungen zu den unterschiedlichsten Themen im Kiez.

Schicken Sie uns doch gerne, was Sie gerade beschäftigt oder worum Sie sich Gedanken machen...

April 2017

Geht man die Tage am Kotti lang und spricht mit den Menschen, geht es vor allem um ein Thema …das Neue Kreuzberger Zentrum soll verkauft werden. Ein privater Investor hat den Zuschlag bekommen. Sollte ein Kaufvertrag zustanden kommen, will der Bezirk das Vorkaufsrecht prüfen. Wir waren am Kotti und haben uns mal umgehört, was die Anwohner*innen so dazu denken...

Mara, 37, getroffen am Gemüsestand am Kotti: Ich finde das so krass, dass das NKZ privatisiert werden soll. Die ganzen Leute, die jetzt mit dem Google-Campus und so kommen, finden den 70er Jahre Charme bestimmt apart und wenn man entsprechend saniert, dann ist das ein Alptraum für unseren Kiez. Da werden dann nur noch Hippster wohnen, die mit uns und unserem Kiez nichts am Hut haben und keiner von uns, wird sich das wohnen hier noch leisten können. Und wenn ich mir dann noch vorstelle, was in die ganzen Läden kommt, dann schüttelt es mich noch mehr. Ich hoffe, das kann irgendwie verhindert werden, nur leider glaube ich das irgendwie nicht…
Heinz, 78, getroffen beim Tee trinken: Ich wohne seit 1964 am Kotti. Niemand wollte hier hin und alle meine Kumpels haben mich damals für verrückt erklärt. So ändern sich die Zeiten. Der Klotz hier war mal Sozialbau, für alle, die sich nichts anderes leisten konnten. Und jetzt machen sie Kohle damit und was soll mit den Leuten werden, die hier zu Hause sind? Meine Tochter ist gebürtige Kreuzbergerin und jetzt wohnt die in Lichtenberg und ist total unglücklich, aber sich hier was leisten, dass kann die sich nicht.
Cengiz,46, getroffen beim Mittagessen; Wir können doch eh nichts machen, ist egal wie blöd wir das finden. Kreuzberg ist halt Zentrum jetzt und wir halten das nicht auf, wer Kohle hat kauft und die anderen sind die Verlierer. Egal ob du Demo machst oder so. Und die Politik? Die machen doch auch nichts… Guck mal zum Beispiel Wrangelkiez, hat doch auch nichts mehr mit dem Kreuzberg zu tun, was vor 10 oder 15 Jahren noch war - so wird Kotti auch, ganz bestimmt.
Laila; 18; getroffen an der Bushaltestelle: Ich habe das noch gar nicht mitbekommen, dabei wohne ich hier am Kottidamm. Vielleicht hilft es dem Kotti, wenn jemand mit Geld, die Wohnungen hier besser macht, dann wird es sauberer hier.
Aysun, 54 getroffen in der Adalbertstraße: Der Senat muss endlich mal was machen. Immer gucken die nur zu, während wir unsere Heimat aufgeben müssen. Jetzt muss was passieren und zwar schnell und laut. Immer reden die nur, aber uns wird unser zu Hause weggenommen. Ich bin hier seit ich 12 Jahre alt bin und meine Kinder sind hier geboren. Ich bin wütend.

Januar 2017

Lee, 15, getroffen auf der Skalitzer Straße: Ich komme gerade aus der Schule. Wir hatten da so eine Diskussion in der letzten Stunde über Flüchtlinge und wie sie Berlin verändern. War irgendwie krass, was da so raus kaum. Wie ich das meine? Naja, alle denken irgendwie, es wird ihnen was weggenommen und es wird dreckiger und selber schmeißen sie ihren Dreck auch auf die Straße und lachen, wenn man sie anspricht und sagen: „Dafür gibt es doch Müllmänner, die sind dafür da, den Dreck wegzumachen." Ich verstehe nicht, warum die so reden. Voll viele von unseren Eltern sind doch auch hierher gekommen und jetzt finden wir, andere sollen das nicht dürfen… keine Ahnung, aber da fehlt mir die Logik für.
Mareike, 38, getroffen am Kottbusser Tor: Ich mache mir viel Gedanken über die Zeit in der wir Leben. Klar ist, dass der Blick in die Welt einen Verzweifeln lässt, aber was ist auch hier direkt vor meiner Haustür? Die Kameraüberwachung am Kotti zum Beispiel, die macht mir Angst. Immer mehr geben wir die eigene Verantwortung ab, wo führt das hin… Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich nicht gut an.
Horst, 74, getroffen auf der Reichenberger Straße: Ach Kindchen, was willst du hören zu Kreuzberg. Ich bin seit 1972 in Kreuzberg und irgendwie wird immer viel geredet, aber wenn man hier lebt, lebt man hier. Ob es gut ist? Gibt schlimmeres denke ich. Was ich vermisse? Es gibt nicht mehr viel für mich und meine Leute, wo wir hin können. Nur noch der kleine Bäcker hier ist was für uns einfachen Leute. Aber im Winter sitzt du da auch nicht lange draußen vor der Tür. Alle anderen Wirtschaften haben ja zugemacht und die neuen Dinger, da fühl ich mich nicht willkommen, da kieken die, als wären wir nicht normal, dabei sind wir ja schon immer hier.
Mona, 47, getroffen auf der Adalbertstraße: Ich lebe seit 4 Jahren in Deutschland und seit 3 Jahren in Kreuzberg. Mich beschäftigt, dass es so viel Alkohol hier gibt. Immer Abends und am Wochenende noch mehr, auch tagsüber. Die ganzen Touristen kommen und trinken und sind laut und finden das toll. Ich finde das nicht schön.

Mai 2016 – "und?...was macht Ihr so im Sommer?

Carlos, 24, getroffen am Kottbusser Damm: Wir hängen voll gerne am Kanal ab. Da gibts viele Stellen, wo man sich einfach ungestört hinsetzen und chillen kann. Im Hochsommer riecht der Kanal zwar manchmal nicht gut, aber da stehen wir drüber. Dafür ist es umsonst und draußen.
Maike, 32, getroffen am Heinrichplatz: Wir fahren raus, sobald es schön ist. Meistens mit der Regionalbahn und dem Rad. Hier kann man sich ja nicht mehr aufhalten... zu viele Touristen und so, da haue ich lieber ab.
Erol und Fatima, 9 und 12, getroffen beim Sticker tauschen: Wenn es warm ist, gehen wir immer ins Prinzenbad, da ist es voll schön. Wir nehmen auch immer Picknick mit und bleiben ganz lange.
Max, 19, getroffen in der Kohlfurter Straße: Ich sag nur Späti... immer coole Leute und immer nette Stimmung. Getränkenachschub und was zu knabbern sind in greifbarer Nähe und ne feine Mischung an Leuten ist garantiert. Da treffen sich Leute aus´m Kiez, Alte und Junge und Touris und alle hängen zusammen ab.

März 2016

Merle, 37, getroffen am Blumenstand von Yadigar, unten im Bahnhof Kottbusser Tor: Ach der Kotti – ich habe das Gefühl, das ist ´ne Dauerschleife. Ich wohne jetzt über 15 Jahre hier und alle paar Jahre ist der Kotti wieder als gefährlicher Ort in den Schlagzeilen – mal sind es die Junkies, dann die Osteuropäer, dann die Alkis und jetzt eben die Nordafrikaner. Und immer macht sich jemand als Experte wichtig, die Person meint dann besonders viel sagen zu können zum Thema – aber Fakt ist doch, dass der Kotti für die unterschiedlichen Menschen, die hier leben und die vielen Mentalitäten, die hier jeden Tag auf einander treffen, verdammt friedlich ist. Ich liebe den Kotti, gerade wegen dieser Reibungen und dem Knistern und doch bleibt er immer irgendwie im Gleichgewicht. Ich finde der Kotti ist irgendwie ein Symbol für Berlin als Metropole mit allem, was dazu gehört.
Yasir, 29, getroffen vorm Späti, kurz vor der Dunkelheit: Ich verstehe nicht, warum die Leute finden, wir dürfen hier nicht abhängen. Wir sind doch keine Diebe oder Gauner – der Kotti ist für uns wie ein Dorfplatz, das kennen wir alle aus unseren Heimatstädten. Und auf einem Dorfplatz trifft man sich und tauscht sich aus. Wo ist dabei das Problem?
Ole, 52, getroffen beim Fahrrad abschließen: Vielleicht ist diese blödsinnige Anti-Kotti-Kampagne wenigstens dafür gut, dass die Mieten wieder bezahlbarer werden. Schönen Tach noch.
Gerda, 69, getroffen am Hauseingang zum Neuen Kreuzberger Zentrum: Ach Mädchen, ich wohne nun schon fast 40 Jahre hier und hab schon alles gesehehn, da regt mich so schnell nichts mehr auf und schon gar nicht die paar armen Kerle, die sich hier die Zeit vertreiben.
Mehmet, 44, getroffen am Dönerladen: Hier ist es nicht sauber und es gibt viele komische Menschen – manchmal fühle ich mich nicht wohl hier, es ist aber auch immer was los. Meine Kinder lasse ich am Kottbusser Tor nicht in die U-Bahn steigen, aber der Döner ist trotzdem der Beste, deswegen komme ich immer wieder hierher.
Pari, 34, getroffen mit ihren Kindern am Gemüsestand: Schade finde ich, dass man die Kinder hier nicht spielen lassen kann und dass Spielplätze eingezäunt und abgeschlossen werden müssen. Schade finde ich aber auch, dass man nicht differenziert und genauer hinschaut, wenn es um Kriminalität geht. Es geht doch nicht, dass man eine Gruppe pauschal anprangert, das wissen wir doch eigentlich alle.

Juli 2015

Petra, 46, getroffen an einem heißen Tag im Eiscafé: Sommer in Kreuzberg ist noch besser als Urlaub. Die Menschen sind entspannt, man kann durch die Straßen schlendern, bis spät Abends irgendwo draußen sitzen, am Kanal abhängen oder ins Freiluftkino gehen. Einfach wunderbar.
Jai, 12, getroffen auf dem Weg ins Prinzenbad: Bald ist die Schule vorbei und ich hab Ferien. Dann kann ich jeden Tag ins Prinzenbad, das wird mega. Wir gehen auch oft ins Böcklerhaus, da ist auch immer was los. Nur noch eine Woche Schule.
A.,60, getroffen bei Bizim Kotti am Kottbusser Tor: Ich wohne seit fast 40 Jahren am Kotti und ich habe immer gearbeitet und meine Miete bezahlt. Jetzt will der Vermieter viel mehr Miete, einfach so. Aber wir sind doch hier zu Hause und wir können das nicht bezahlen. Warum darf der das einfach machen? Das ist doch auch eine Sozialwohnung. Ich bin sehr dankbar, dass hier so viele Menschen sind, die uns helfen und sagen, dass es ungerecht ist.
Mohamad und Güney, getroffen beim nachbarschaftlichen Iftar/Fastenbrechen: Das nachbarschaftliche Iftar ist für uns Tradition und super wichtig. Es gibt so viel gutes zu essen und wir wachsen zusammen. Hier sind auch viele, die gar nicht fasten aber wegen der Atmosphäre kommen. Das ist schön, so lernt man sich kennen.

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Februar 2015

Alma, 11 Hallo, mein Name ist Alma, ich bin 11 Jahre alt und lebe in Berlin-Kreuzberg. Ich bin hier geboren und gehe hier im Kiez in die sechste Klasse einer Grundschule. Mir gefällt an Kreuzberg, dass es mitten in Berlin liegt und man von hier aus überall hinkommt. Es gibt hier viele Verkehrsmittel wie Bus, U-Bahn, S-Bahn und alles ist schnell zu erreichen, sogar mit dem Fahrrad. Mir kommt es so vor, dass dieser Stadtteil sehr bekannt und beliebt ist bei Menschen, die nicht aus Kreuzberg oder aus Deutschland kommen. Es ist ja ganz schön hier, viele Sprachen wie Englisch, Spanisch, Türkisch oder Französisch zu hören, aber wer ist jetzt Kreuzberger? Letztens war ich in einem Gemüseladen, und der Verkäufer hat sehr darüber geschimpft, dass in seinem Laden eine Anzeige an der Pinnwand hing, auf der stand: „Drei Personen mit Arbeit suchen eine große Wohnung hier im Kiez“. Ich glaube der Verkäufer hat sich darüber aufgeregt, dass hier so viele Menschen von außerhalb hinziehen und die Mieten deswegen steigen und es immer weniger Kreuzberger hier in Kreuzberg gibt. Na ja, es gibt hier auch viel Lustiges zu erzählen, wie z.B. über Leute, die sich so anziehen und rumlaufen, wie sie gerade Lust darauf haben.

August 2014

Im August feierte das legendäre SO36 eine Woche lang seinen 36sten Geburtstag mit einem umfangreichen Programm. Freund*innen und Anhänger*innen des Veranstaltungsortes feierten mit; einige haben mit unserer Kiezreporterin gesprochen.

Zwille, 54, getroffen beim Spontankonzert von Terrorgruppe: SO36 das ist total abgefahren. Für mich ist das SO36 ein zu Hause. Ich bin hier groß geworden und die sind immer noch da, so wie ich und die sind immer noch Punkrock – so wie ich.

Spinne,58, getroffen beim Bier vorm SO36: Ich bin so glücklich, dass es das SO noch gibt. Hier wird alles vereinnahmt, aber die sind noch immer das SO36, auch wenn sich natürlich bei denen einiges verändert hat, sind sie einer der wenigen Orte unserer Geschichte und es gibt sie noch immer. Laut und ungemütlich. Die Rauchbombe hier gerade hat die “Bullen” doch ganz schön ins schwitzen gebracht, so was ist doch cool.

Martina, 44, wild tanzend auf der Straße vor dem SO36: Ich kenne keinen anderen Ort in der Stadt, wo erst die Eltern hingegangen sind und jetzt die Jugendlichen immer noch hingehen. Manchmal fehlt mir ein wenig, dass sie sich nicht mehr einmischen in die Zwangsräumungen oder so, aber daran kann man ja arbeiten.

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Juli 2014

Merléne A., 32, getroffen auf der Admiralbrücke: Ich liebe an Kreuzberg, dass es so grün ist. Man hat den Kanal, den Görlitzer Park, den Urban-Hafen und auf der anderen Seite hat man auch viel Urbanes.

Jihan Ü., 48, getroffen am Görlitzer Bahnhof:
Ich fand die Absperrungen der Polizei wegen der Flüchtlinge in der Schule in der Ohlauer Str. im letzten Monat ganz schön schlimm. Ich habe beobachtet, wie aggressiv die Polizei auch mit ganz jungen Menschen umgegangen ist, die einfach nur auf der Straße saßen. Ich habe diesen ganzen Zustand nicht begriffen, und dabei haben wir doch einen grünen Bezirk. Warum sind die so vorgegangen? Ich habe das auch die Polizisten gefragt, aber niemand hat mir meine Fragen beantworten können.

Carsten M., 42, getroffen in der Oranienstraße:
Ich finde es gerade schwierig in meinem Kiez, weil es so viel Veränderung gibt. Veränderungen sind ja auch gut, aber es gibt so viel Unsicherheit, weil niemand so richtig mitkommt bei dem, was hier alles passiert. Die Preise verändern sich rasend schnell, es gibt immer mehr Massentourismus nach Kreuzberg, viele wissen nicht, wie lange sie noch in ihrem zu Hause wohnen können und noch viel mehr. Und dann kommt noch so ein krasser Ausnahmezustand wie im vergangenen Monat hier rund um die Ohlauer Str. hinzu, als wären wir Versuchskaninchen für irgendwas, von dem wir nichts wissen… das macht ein flaues Gefühl. Gut fand ich aber, dass wir Kreuzberger mal wieder zusammen standen und uns nicht unterkriegen lassen haben, das hat auch gut getan.

Micha, 24, getroffen auf der Skalitzer Str.:
Ich liebe es in Kreuzberg und nirgendwo ist der Sommer so geil wie hier zwischen Görli und Kanal.

Juni 2014

Am 21.06. war viel los in Kreuzberg. Wir waren auf der Oranienstraße unterwegs, wo gleichzeitig die „Fête de la Musique“ und der „CSD für Kreuzberg“ stattgefunden hat.

Dazu gab es diese Stimmen:

Pasqual Z., 43: Ich bin traditionell immer zum „Transgenialen CSD" in Kreuzberg gegangen, weil er für mich die meisten Inhalte hatte, und neben feiern auch noch viele wichtige politische Statements. Dieses Jahr habe ich mir den zum ersten Mal statt findenden „Kreuzberger CSD" angeguckt. Die Stimmung hier ist schön und entspannt, aber ohne Demo gehen die Inhalte doch ziemlich unter, und es hat mehr einen Straßenfest-Charakter. Das finde ich schade. Ich hoffe das entwickelt sich nicht, ähnlich wie beim 1.Mai-Fest, zur reinen Feierei.

Zeynep K., 21: Die „Fête de la Musique" macht echt Spaß, ich und meine Freunde freuen uns schon immer vorher darauf. Ich wusste gar nicht, dass dieses Jahr gleichzeitig ein CSD hier stattfindet. Ist aber super, alle feiern zusammen.

Karim B., 11: Es gab zwar viel für Kinder bei der „Fête de la Musique", aber für mein Alter war nicht soviel dabei. Eher für Kleinere. Naja, war trotzdem ganz gut.

Außerdem haben wir noch verschiedene Menschen mitten im Kiez getroffen und gefragt, was sie so beschäftigt und worüber sie sich so Gedanken machen...

Roswitha L., 64 getroffen in einem Supermarkt am Kotti: Ich bin zwar selbst nicht davon betroffen, also von extremen Mieten, weil ich in einer Genossenschaftswohnung wohne. Aber ich finde es wirklich schlimm, dass die Stadt es zulässt, dass mit Menschen so umgegangen wird. Die ganzen jungen Leute, die nur zu Besuch oder als Touristen hierherkommen, bekommen ja gar nichts davon mit. Aus meinem Freundeskreis mussten schon zwei Familien umziehen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten.

Hakim Ö., 31 getroffen Abends in einem Kaffee in der Oranienstraße zum Thema steigende Mieten: Zwangsräumungen finde ich krass. Aber wenn ich genau überlege weiß ich gar nicht wie lang ich selber hier noch bleiben will. Es hat sich schon so viel verändert. Nichts gegen Leute die feiern und so, aber mit 18-21-Jährigen, die hierherkommen um tagsüber mit Bierflaschen durch die Straßen zu laufen und mal richtig einen draufzumachen und denen alles andere egal ist, da entsteht jetzt nicht gerade ne gute Nachbarschaft. Dadurch wird auch immer alles teurer, weil diese Partyleute aus Bezirken und Ländern kommen wo es mehr Kohle gibt, da wollen alle dran verdienen. Sowas verändert einen Kiez. Ich fände es ja richtig gut, wenn es Kiezpreise und Touristenpreise geben würde, ehrlich.

Cima D., 24 getroffen an der Bushaltestelle am Oranienplatz: Ich verstehe nicht, dass so viel Polizei immer hier ist. Meistens sind hier doch nur noch 3-4 Leute, die ganz friedlich auf ihre Situation aufmerksam machen. Richtig krass finde ich, das die Polizei so viel da ist, und trotzdem die ganzen Anschläge nicht verhindert werden, wie z.B. das Zelt, was hier letzte Woche in der Nacht abgebrannt ist.

Kai P., 36 getroffen als Radfahrer mit Kind auf dem Bürgersteig in der Mariannenstraße: Ich mag Kreuzberg. Ich bin viel hier mit Kind unterwegs und würde mir mehr sichere Fahrradwege wünschen. Außerdem, finde ich, es fehlt ein richtig toller Abenteuerspielplatz im Kiez, mit Wasser und allem drum und dran. Den könnte man doch gut hier in den Park an der Skalitzer Straße bauen.

Mai 2014

Helga W. (wohnt seit 8 Jahren in Kreuzberg und fährt viel Fahrrad, getroffen am U-Bahnhof Kottbusser Tor): Ich verstehe diesen ganzen Kotti-Umbau nicht. Als Radfahrer/in wird man bei jeder Möglichkeit, wo Autos nach rechts abbiegen können fast umgenietet. Die sehen einen einfach nicht und fahren immer drauf los. Geht es bei einem so aufwendigen Umbau nicht auch um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer? Die Planer sollten sich mal aufs Rad setzen und versuchen sicher um den Kreisverkehr zu kommen. Das ist quasi unmöglich.

Ufuk Y. (ist am Kotti geboren und seine Kinder auch, getroffen in der Adalbertstr.): Mir geht total auf die Nerven, dass Kaiser´s bis 24.00 Uhr auf hat. Das ist echt ein krasser Treffpunkt, vor allem Abends, wenn sich die ganzen Party-Touris da treffen, um sich mit Alk zu versorgen und du kommst da überhaupt nicht mehr durch. Und die haben ja auch nur Augen für sich.

Sylvia M. (wohnt seit 1 Jahr in Kreuzberg, getroffen auf der Oranienstraße auf dem Weg zur Arbeit am Moritzplatz): Ich bin nach Kreuzberg gezogen, weil es hier lebendig ist, arbeiten tu ich auch hier. Mir gefällt, dass man hier frei sein kann und es nicht so viele Regeln und Vorschriften gibt, an die man sich halten muss. Jeder macht seins und das ist in Ordnung. Ich finde es super in Kreuzberg.

Kamil J. (Kreuzberger weil es sein zu Hause ist, getroffen beim Aufschließen seiner Haustür nach der Arbeit): Trotz der vielen Veränderungen in Kreuzberg finde ich es wichtig und gut, dass solche Proteste wie das Gecekondu am Kotti oder das Camp von den Flüchtlingen am Oranienplatz noch möglich und sichtbar sind. Das ist ein wichtiger Teil von Kreuzbergs Geschichte, der hoffentlich immer erhalten bleiben wird.

Ivana N. (ist gerade in Kreuzberg, um mit Freunden essen zu gehen und wohnt in Schöneberg): Für mich ist die Oranienstraße und der Kiez drum herum immer ein Ausflug. Ich komme aus Schöneberg und früher hieß es immer, zum Kotti geht man nicht, da ist es gefährlich. Das ist heute anders. Heute wollen alle zum Kotti, ist schon abgefahren, wie sich solche Sachen ändern.