Gemeinwesenorientierte Sozialarbeit am Kottbusser Tor

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg / Fachbereich Soziales (Suchtprävention), Fixpunkt e.V.

Laufzeit: 01.01.2017 – 31.12.2019

Die Zunahme der Kriminalität und des offenen Drogenhandels und -konsums wie auch die geringe Aufenthaltsqualität des Kottbusser Tores führte vor allem seit 2015/16 zu einer als anhaltend empfundenen Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und des Sicherheitsempfindens der Anwohnenden. Aufgrund der vielfältigen Problemlagen am Kottbusser Tor hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im Jahr 2016 in enger Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement Zentrum Kreuzberg/ Oranienstraße das Projekt „Gemeinwesenorientierte Sozialarbeit Kottbusser Tor“ konzipiert und initiiert.

© QM ZKO

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Die Broschüre von Fixpunkt e.V.: „Umsicht! Durchsicht! Dann sticht es nicht!“ ist eine praktische Anleitung für Personen, die in ihrem Wohnumfeld in Kontakt mit Menschen kommen, die Drogen konsumieren. Die Broschüre wurde im Rahmen des Projektes „Gemeinwesenorientierte Sozialarbeit am Kottbusser Tor“, das über das Programm „Soziale Stadt“ und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gefördert wird, konzipiert und herausgegeben. hier downloaden.

Ziele der Maßnahme sind eine Entlastung des öffentlichen Raums, die Lösung oder zumindest Deeskalation von Nutzungskonflikten sowie die Kriminalitätsprävention mit Methoden der aufsuchenden und niedrigschwelligen Sozialarbeit, die Stärkung der Nachbarschaft und die Verbesserung des subjektiven Sicherheitsempfindens sowie die adäquate Vermittlung von Hilfs- und Unterstützungsangeboten für die überwiegend sozial benachteiligten Gruppen. Fixpunkt e.V. wurde mit der Umsetzung der Maßnahme durch das Bezirksamt beauftragt. Der Verein ist aufgrund seiner langjährigen Präsenz und Tätigkeit am Kottbusser Tor mit zahlreichen Akteur*innen bereits vernetzt und engagiert sich auch in den verschiedenen Netzwerken im Sozialraum.

© QM ZKO

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© Fixpunkt e.V.

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Die Projektschwerpunkte 2017 lagen auf der Analyse und Evaluation der Ausgangslage (Zielgruppendefinition / Gemengelagen) am Kottbusser Tor sowie auf der aufsuchenden Sozialarbeit (Beziehungsarbeit). Es wurden Wege und Handlungsmöglichkeiten identifiziert und praktisch erprobt, wie gemeinwesenorientierte Sozialarbeit zu einer sozial verträglichen Nutzung des öffentlichen Raumes beitragen kann - unter Berücksichtigung der Interessen der Anwohnenden, der Platznutzer*innen und Gewerbetreibenden. Hierbei stand der Kontaktaufbau zu den diversen Zielgruppen sowie zu Kooperationspartner*innen im Fokus der Arbeit. Dafür leistet das Kotti-Team wöchentlich zwei bis drei Streetwork-Einsätze; die Einsätze wurden von einem*r Sozialarbeiter*in und einem arabischen Sprachmittler durchgeführt. Der Schwerpunkt der Einsätze liegt auf dem „Sozialraum Kotti“. Dieser beschränkt sich nicht allein auf den Platz, auch Ausweichorte der Szene wie Konsumplätze, Treppen- und Parkhäuser wurden aufgesucht. Es wurde ein Peerprojekt mit niedrigschwelliger Beschäftigungsmöglichkeit für Platznutzer*innen in den Räumen des aquariums initiiert. Die Teilnehmer*innen („Szene-Mitglieder“) sammeln und entsorgen benutzte Spritzen und sollen dabei ein Mehr an Verantwortungsbewusstsein für den öffentlichen Raum entwickeln. Solche Projekte dienen den Teilnehmer*innen darüber hinaus als tagesstrukturierende Maßnahmen, um eine Basis zur Wiedereingliederung in gesellschaftliche Strukturen zu schaffen.

2017 als Modellprojekt gestartet, setzt Fixpunkt e.V. 2018-2019 nun gezielt die nach einer eingehenden Analyse initiierten, bedarfsgerechten Angebote für die verschiedenen Zielgruppen sowie die mit allen Akteur*innen vor Ort abgestimmten Handlungsschritte zur Verbesserung der öffentlichen Aufenthaltsqualität am Kottbusser Tor um. Für die Arbeit vor Ort werden sowohl bestehende Netzwerke eingebunden und so eine Zusammenarbeit mit vorhandenen/bereits aktiven (Hilfs-)Angeboten und Akteur*innen etabliert, als auch neue Partner*innen einbezogen.

Zieldefinition des Ende Dezember 2017 eingereichten Handlungskonzepts ist die Stärkung des Kiezes, die Verbesserung von Sicherheit und Ordnung und die Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität. Aus dieser Zieldefinition wurden fünf Teilziele formuliert:

  1. Unterstützung bei der Verbesserung der Lebensqualität von Personen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten

  2. Verbesserung der Sauberkeit im öffentlichen Raum bzw. des Wohnumfeldes

  3. Vermeidung von sozialer Ausgrenzung

  4. Auf- und Ausbau von Unterstützungsnetzwerken

  5. Gemeinsame, konfliktfreie Nutzung des öffentlichen Raumes für verschiedene Nutzer*innergruppen

Zu den o.g. Teilzielen entwickelte Fixpunkt e.V. Methoden und Maßnahmen, die z.T. bereits 2017 umgesetzt und so auf ihre Wirksamkeit und Zielerreichung geprüft werden konnten. Angebote, wie Mobilix (basismedizinische Grundversorgung), „Test it“ oder das Drogenkonsummobil, sind nur einige der weiteren zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen. Für die Intensivierung der Präsenszeit vor Ort werden die Mitarbeiter*innen zusätzlich im Präventionsmobil auf der Mittelinsel eingesetzt. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Arbeit mit geflüchteten Personengruppen, woraus wichtige Kooperationen, wie z.B. mit der Flüchtlingskirche St. Simeon, der Refugee Law Clinic und dem Guidance Projekt vom Drogennotdienst entstanden sind.

Austausch und Abstimmung Eine regelmäßig tagende Steuerungsrunde der Suchthilfekoordination des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg und des Quartiersmanagements Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße mit Fixpunkt e.V. stellt den kontinuierlichen Austausch sicher und verkürzt Abstimmungsprozesse. Seit 2018 findet zusätzlich eine Präventionsrunde unter Einbindung der Polizei/Brennpunktstreife statt.

Aktuelles PDF zum Projekt downloaden

Adresse Fixpunkt e.V., Ohlauer Str. 22, 10999 Berlin, Kontakt Team Kotti: 0177 298 33 78, Büro: 030 902 981 730

Telefon 030 616 755 883

Webseite http://www.fixpunkt-berlin.de

Förderkosten gesamt (Projektfonds und Landeskommission "Berlin gegen Gewalt"): 300.000€ (davon 148.000€ Projektfonds)