Die neue Leiterin der Mittelpunktbibliothek im Interview

Ranija Hemieda leitet seit September 2019 die Mittelpunktbibliothek, auch bekannt unter den Namen Wilhelm-Liebknecht- /Namık-Kemal-Bibliothek. Der lindgrün schimmernde Lese-Kubus liegt in der Adalbertstraße 2, direkt am Kottbusser Tor.

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Wie kam es dazu, dass Du den Leitungsposten übernommen hast?

Ich habe zuerst eine Ausbildung zur Medienkauffrau abgeschlossen, aber Bibliotheken waren schon immer eine Leidenschaft. Deswegen habe ich später mein begonnenes Studium der Informations- und Bibliothekswissenschaften beendet und noch einen Master draufgesetzt. Ursprünglich wollte ich in einer wissenschaftlichen Bibliothek arbeiten. Da ich aber seit 25 Jahren hier im Kiez wohne, habe ich im Rahmen meines Studiums ein Praktikum in der Mittelpunktbibliothek gemacht. Seitdem wusste ich: In diesem Haus, an diesem Ort, mit diesem Team will ich arbeiten.

Hat ja dann geklappt...

Ja, als ich fast fertig mit dem Studium war, wurde eine halbe Stelle frei, die ich bekommen habe. Etwas später ging die wunderbare ehemalige Leiterin Birgit Braun in den Ruhestand und ich war zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Was ist an der Mittelpunktbibliothek besonders?

Ich finde es sehr persönlich und lebendig hier, alle passen aufeinander auf. Unsere Nutzer*innen sind wie Kreuzberg: bunt, tolerant, meist nett, immer interessant. Zusätzlich ist es sehr international mit vielen Tourist*innen im Kiez – ein vielfältiges Spektrum. Soziale und gesellschaftliche Teilhabe wird besonders benötigt, das sind besondere Aufgaben hier.

Gibt es Angebote, die es nur in der Mittelpunktbibliothek gibt?

Wir achten darauf, dass die Angebote auf unsere Nutzer*innen passen. Bei bestimmten Angeboten gibt es eine erhöhte Nachfrage. So ist die Hausaufgabenhilfe eine feste Säule unserer Arbeit. In anderen Bibliotheken ist die Nachfrage in diesem Bereich geringer, bei uns ist dieses Angebot nicht wegzudenken. Da ist es immer voll, zwei Honorarkräfte kümmern sich um die Schüler*innen aus dem Einzugsgebiet. Außerdem ist der regelmäßig stattfindende Kalligraphie- und Ebru-Workshop sehr gut besucht. Einige Werke sind vor der Café-Theke am Eingang ausgestellt.

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Wie unterstützt Ihr Nutzer*innen, die sich im digitalen Bereich fortbilden wollen?

Medienkompetenz wird auch bei uns großgeschrieben. Neben unseren auszuleihenden Medien haben wir ein relativ neues Angebot, das meist in den Schulferien stattfindet. Es heißt „Digitale Senior*innen“. Dort erhalten Senior*innen Unterstützung im Umgang mit ihren Smartphones und Tablets – oder auch Beratung, wenn sie sich eines kaufen wollen. Und wir bieten eine PC-Sprechstunde an.

Was wird da besprochen?

Alltägliche Probleme: ein Dokument ausdrucken, eine E-Mail schreiben, ein Word-Dokument formatieren, ein PDF erstellen. Da können die Nutzer*innen ohne Scheu hingehen, alles wird langsam und mit viel Geduld besprochen, ihnen wird geholfen.

Dann ist da noch der Garten...

Seit letztem Jahr haben wir einen neuen Lesegarten in Kooperation mit den Prinzessinnengärten, der bald wieder eröffnet wird. Die Hochbeete werden diesmal mit Blumen und Kräutern bepflanzt.

Arbeitet Ihr außer mit den Prinzessinnengärten noch mit anderen Institutionen im Kiez zusammen?

Durchaus. Am Vormittag machen wir Veranstaltungen mit Kitas und Grundschulen aus dem Einzugsgebiet. Zusammen mit der Regenbogenbuchhandlung werden türkische Lesungen veranstaltet und bald werden wir mit einem unserer Stammnutzer kurdische Lesungen mit Musikbegleitung anbieten.

A propos: Gibt es weitere Projekte in der Schleife?

Ja, glücklicherweise arbeiten wir sehr eng mit dem Quartiersmanagement zusammen und konnten beispielsweise im letzten Jahr die „Gaming Zones“ eröffnen. Für 2021 planen wir ein neues Projekt namens „Nutzerorientierte Neugestaltung“. Wir werden uns einen Raum vornehmen, ein Teil des Raumes wird nach Wünschen der Nutzer*innen neu ausgestattet. In diese Richtung wollen wir auch noch stärker gehen: nicht nur für den Kiez etwas machen sondern mit und vom Kiez.

Termine auf einen Blick. Beachten Sie aber, dass die öffentlichen Bibliotheken in Berlin aufgrund der aktuellen Lage vom 13.3. bis voraussichtlich Sonntag, den 10.4., den Publikumsverkehr eingestellt haben. Mehr auf berlin.de

  • Hausaufgabenhilfe, täglich von 17-19 Uhr, freitags von 15-17 Uhr
  • PC-Sprechstunde, montags von 15-18 Uhr
  • Der Lesegarten mit Pflanzaktionen eröffnet wieder am 4. April und freut sich über Helfer*innen

Die drei Etagen bieten den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer*innen verschiedene Räume:

  • Im Erdgeschoss ist der Cafébereich (von 13-17 Uhr gibt es Kaffee für 0,50 Euro), es können Zeitungen und Zeitschriften gelesen werden, in Regalen stehen die Non-Books.
  • In der Kinderbibliothek im 1. OG ist mit Kita- und Schulveranstaltungen, der „Gaming Zone“ sowie im Stuhlkreisraum meist viel los.
  • Im 2. OG ist es leise. Dort stehen die Sachbücher, Romane und Krimis für Erwachsene. Fragen an die Bibliotheksmitarbeiter*innen sind natürlich trotzdem erlaubt. Das „Kriminalkabinett“ ist übrigens nach den Schauplätzen der Geschichten geordnet und erlaubt so eine kleine Weltreise. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11-19 Uhr und samstags von 11-16 Uhr

Infos gibt es auch auf berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg